Wir sehen unsere Haut jeden Tag. Wir kennen ihre Merkmale und bemerken Veränderungen: Flecken, sichtbare Poren, Unreinheiten, Akne, erste Fältchen. Sie spannt nach der Reinigung oder beginnt im Laufe des Tages schnell zu glänzen.
Also kennen wir unsere Haut doch eigentlich ziemlich gut, oder?
Heute recherchieren wir vieles, was uns an unserer Haut auffällt, im Internet oder mithilfe von KI. Und das ist grundsätzlich eine tolle Sache. Noch nie war es so einfach, sich über Hautpflege, Wirkstoffe und verschiedene Hautzustände zu informieren.
Doch dabei gibt es einen entscheidenden Unterschied: Etwas an seiner Haut zu beobachten ist nicht dasselbe wie zu wissen, warum es entsteht und was die Haut tatsächlich braucht.
«Ich habe mir meine Pflegeroutine mit KI zusammengestellt»
Diesen Satz höre ich mittlerweile immer öfter. Genauso wie: „Die Influencerin XY benutzt diese Pflegelinie, deshalb benutze ich sie auch.“ Und grundsätzlich finde ich es wunderbar, wenn du bereits eine Pflegeroutine hast. Damit bist du schon einen Schritt weiter als jemand, der sich mit seiner Haut überhaupt nicht beschäftigt.
Das Problem beginnt erst dort, wo wir davon ausgehen, dass eine dieser Empfehlungen automatisch zu unserer eigenen Haut passt.
Eine KI beantwortet die Fragen anhand der Informationen, die du ihr gibst. Wenn du beispielsweise schreibst, dass deine Haut glänzt und du grosse Poren hast, kann sie dir erklären, welche Produkte oder Wirkstoffe bei diesen Merkmalen häufig eingesetzt werden.
Was dabei fehlt, ist der direkte Blick auf deine Haut und die fachliche Beurteilung, warum sie sich so verhält. Und auch eine Pflegeroutine, die bei einer Influencerin hervorragend funktioniert, muss deshalb noch lange nicht die richtige für deine Haut sein.
Wie viel Pflege bekommt eigentlich deine Haut?
Eine Referentin stellte einmal eine Frage, die mir bis heute geblieben ist:
Wie viele Pflegeprodukte besitzt du für deine Haare?
Geh sie ruhig einmal gedanklich durch. Shampoo, Conditioner, Maske, Öl, Hitzeschutz, vielleicht ein Leave-in, Trockenshampoo oder weitere Styling- und Pflegeprodukte.
Und jetzt mach dasselbe mit den Pflegeprodukten für deine Haut, Make-up natürlich ausgeschlossen.
Bei den Haarprodukten ist die Liste oft lang, bei der Hautpflege ist die Auswahl häufig deutlich kleiner. Interessant, oder?
Wir investieren ganz selbstverständlich viel Zeit und Pflege in unsere Haare, und das ist auch gut so. Aber unsere Haut sollten wir dabei nicht vergessen. Sie ist unser grösstes Organ und benötigt ebenfalls Pflege und Schutz.
Warum ich wissen möchte, was bei dir im Badezimmer steht
Bei einer Hautberatung frage ich deshalb ganz bewusst nach den Produkten, die du zu Hause verwendest. Manchmal empfehle ich sogar, die Produkte zum Termin mitzubringen. Denn „Ich benutze eine Tagespflege“ sagt mir noch nicht besonders viel.
Welche Tagespflege? Was verwendest du davor? Wie reinigst du deine Haut? Welche Wirkstoffe kombinierst du miteinander? Und passen diese Produkte überhaupt zu deinem aktuellen Hautzustand?
Stell dir vor, du gehst zum Arzt und sagst: „Ich nehme ein Schmerzmittel.“
Auch da wird die nächste Frage sein: Welches?
Denn erst wenn bekannt ist, was du tatsächlich einnimmst, lässt sich beurteilen, wie es wirkt und ob es für deine Beschwerden geeignet ist. Bei deiner Hautpflege ist es ähnlich.
Mein Fazit
Dass du weisst, wo deine Haut glänzt, wann sie spannt oder welche Veränderungen dich stören, ist unglaublich wertvoll. Denn niemand erlebt deine Haut jeden Tag so wie du.
Eine professionelle Hautanalyse soll dieses Wissen nicht ersetzen, sondern ergänzen. Denn um deine Haut richtig zu pflegen, solltest du nicht nur wissen, was du siehst, sondern auch, was dahintersteckt.
So entsteht aus „Ich glaube, meine Haut braucht …“ nach und nach ein viel genaueres Bild davon, was deine Haut tatsächlich braucht.
